Vergrößerte prostata und erektionsstörungen

Nach der „Prostataausschabung“ kann es bei vielen Patienten zu einer rückwärtigen (retrograden) Ejakulation kommen, d. h. die Samenflüssigkeit gelangt nicht mehr nach außen, sondern in die Harnblase und vermischt sich dort mit dem Urin. Auch nach der Entfernung des überschüssigen Gewebes über einen Unterbauchschnitt ist dies häufig der Fall. Daher ist die Mehrzahl der Patienten nach diesen Eingriffen zwar nicht mehr zeugungsfähig, ein Orgasmus kann aber trotzdem von fast allen Patienten wie früher erlebt werden.

Heute weis man, dass ein längerfristiges Ausbleiben von Erektionen Muskeln und Gefäße im Penis, welche für die Potenz verantwortlich sind, unwiederbringlich verändern kann. Deshalb gilt heute die Empfehlung, mit der Behandlung zur Wiederherstellung von Erektionen nach einer kompletten Entfernung der Prostata nach 4-6 Wochen zu beginnen. Konnten Nerven und Gefäße teilweise oder vollständig erhalten werden, sollte bei Eignung des Patienten ein Versuch mit einem Phosphodiesterase-5-Hemmern wie Vardenafil (Levitra®) gemacht werden.

Die Prostata, oder Vorsteherdrüse, ist eine männliche Geschlechtsdrüse, die etwa 30% der Samenflüssigkeit produziert. Diese wird beim Samenerguss den Spermien aus den Hoden beigemengt. In der Prostataflüssigkeit sind Stoffe, die für die Beweglichkeit der Spermien und ihre Befruchtungsfähigkeit von Bedeutung sind. Die Prostata liegt unterhalb der Harnblase und umgibt die Harnröhre. Bei jungen Männern ist sie etwa so groß wie eine Kastanie. Im Alter kommt es häufig zu einer Vergrößerung der Prostata, die gutartig verläuft, allerdings durchaus Beschwerden hervorrufen kann. Die Ursache ist, dass durch das Wachstum der Prostata die Harnröhre eingeengt wird und es dann zu Beschwerden beim Wasserlassen kommt. Im weiteren Verlauf kommt es dann zu einer Zunahme der Harnblasenmuskulatur, weil die Blase gegen den erhöhten Widerstand durch die eingeengte Harnröhre einen ausreichenden Druck erzeugen muss. Dies führt zu einer vermehrten Harnblasenaktivität mit gehäuften Harnblasenentleerungen, die insbesondere nachts sehr störend sein können. Bei jüngeren Männern kann die gutartige Prostatavergrößerung zu Erektionsstörungen führen.

Bei ca. 5 bis 25 % der Patienten kann es nach der „Prostataausschabung“ zu Erektionsstörungen kommen. Wahrscheinlich werden die feinen Nerven, die die Prostata umgeben, vorübergehend oder in seltenen Fällen auch dauerhaft geschädigt.

Beiden GnRH-Analoga treten bei Langzeitanwendung als häufigste Nebenwirkungen Hitzewallungen, Müdigkeit, Libidoverlust, Impotenz sowie Knochen- und Muskelschwund auf. Bei Gabe von so genannten „nicht steroidalen Antiandrogenen“ bleibt einigen Patienten die Erektionsfähigkeit erhalten und die Libido ist oft weniger beeinträchtigt.

Neben der gutartigen Vergrößerung der Prostata, die mit zunehmendem Alter gehäuft vorkommt, nimmt mit zunehmendem Alter auch die Wahrscheinlichkeit zu, einen bösartigen Tumor der Prostata zu entwickeln. Das Prostatakarzinom (Prostatakrebs) ist heute der häufigste bösartige Tumor des Mannes. Bei Männern über 40 Jahren ist mit einer deutlichen Zunahme des Krebses zu rechnen. Lange Zeit macht er keine oder nur geringe Beschwerden. Erst im Spätstadium beim Vorliegen von Metastasen (Absiedlungen) in Lymphknoten oder Knochen treten Beschwerden, wie z.B. Schmerzen oder starker Gewichtsverlust, auf. Ein vorhandenes Prostatakarzinom verursacht in aller Regel selbst zunächst keine sexuellen Funktionsstörungen. Erst im fortgeschrittenen Stadium können Erektionsstörungen und Ejakulationsstörungen auftreten.

Die häufigste Nebenwirkung ist allerdings eine Brustdrüsenvergrößerung und schmerzhafte Brustdrüsenschwellungen (Gynäkomastie).

Je früher der Tumor entdeckt wird, desto eher ist eine beidseitige Nerven schonende Operation möglich. Daher sollte jeder Mann ab dem 45sten Lebensjahr einmal jährlich eine Vorsorgeuntersuchung beim Urologen durchführen lassen. Heute kann man mit einem Bluttest ( PSA -Bestimmung) relativ zuverlässig feststellen, ob weitere Untersuchungen notwendig sind oder nicht. Die Abtastung der Prostata ist nach wie vor eine wichtige und sinnvolle Zusatzuntersuchung.

Wichtige Einflussfaktoren sind das Alter des Patienten und die Erektionsfähigkeit vor der Operation. Bis zu 10 % der Patienten berichten aber nach einer „Prostataausschabung“ auch über eine Verbesserung der Sexualfunktionen.