Prostata und radfahren

PSA ist ein Eiweiß, das in den Zellen der Prostata gebildet und aufgrund von Alter, Entzündungen oder bei bösartigen Veränderungen vermehrt produziert wird. Der Wert spielt bei der Krebsfrüherkennung zwar eine Schlüsselrolle, sagt aber nichts über die Ursache der Veränderung aus. Bei Verdacht auf Prostatakrebs verschafft nur eine Biopsie – die Entnahme einer Gewebeprobe aus dem verdächtigen Bereich – Gewissheit. Durch die mechanische Reizung im Dammbereich und das Anspannen der Beckenbodenmuskulatur beim Radfahren erhöht sich dieser Wert.

Kritiker der Studie bemängeln, dass es keine Kontrollgruppe mit Nicht-Radlern gab und die Probanden die gewünschten Daten zum Teil nur abschätzten. Das mache die Studie fehleranfällig.

Häufigste Krebsform des Mannes

Von dem Studienergebnis war Professor Mark Hamer selbst überrascht. Er vermutet, dass Rad-Enthusiasten wahrscheinlich gesundheitsbewusster leben als Couch-Potatoes, öfter zum Arzt gehen und deshalb die Wahrscheinlichkeit größer ist, dass bei ihnen der Prostatakrebs entdeckt wird. Er betont aber auch, dass Radfahren grundsätzlich gesundheitsfördernd ist.

Um Aufschlüsse über ein mögliches Prostatakrebsrisiko zu bekommen, wurden die Daten von 2027 Studienteilnehmern ausgewertet, die 50 Jahre und älter waren. Bei Jüngeren liegt das Risiko bei unter einem Prozent.

Mit einem gut angepassten Sattel lässt sich das nach langem Radeln entstehende Taubheitsgefühl im Dammbereich zwischen Hodensack und After vermeiden. Je schmaler er ist, umso mehr werden die Blutgefäße in der Leistengegend zusammengedrückt. Dagegen unterstützen breitere Sättel die Beckenknochen und sorgen für bessere Durchblutung, weil weniger Druck auf Venen und Arterien ausgeübt wird. Einige Fachgeschäfte ermitteln mit einer Sitzknochenvermessung die individuell optimale Sattelbreite.

Radeln mit einem gut angepassten Sattel

Aber zurück zur Studie. Ausgewertet wurden die Daten, die 5200 aktive britische Radler im Alter zwischen 16 und 88 Jahren in den Jahren 2012 und 2013 per Internet an die Wissenschaftler gemeldet hatten. Unter anderem mussten sie angeben, wie viele Stunden sie im Sattel verbringen. Mit der Studie sollte ein möglicher Zusammenhang zwischen Radfahrgewohnheiten, Erektionsstörungen, Unfruchtbarkeit und Krebs ermittelt werden. In puncto Erektionsstörung und Unfruchtbarkeit gab es schnell Entwarnung.

Alles spricht also fürs Radfahren und nichts dagegen. Zumindest bis jetzt. Denn Langzeitradlern und Tour-de-France-Nacheiferern, die viele Stunden im Sattel verbringen, gibt eine im „Journal of Men’s Health“ veröffentlichte Studie von Professor Mark Hamer vom University College London zu denken. Es ist nach eigenem Bekunden das größte jemals durchgeführte Forschungsprojekt über die gesundheitlichen Auswirkungen des Radfahrens. Die Wissenschaftler kommen zu dem Ergebnis, dass das Risiko, Prostatakrebs zu bekommen, bei Männern über 50, die pro Woche mindestens neun Stunden Rad fahren, um das sechsfache steigt – im Vergleich zu Männern, die nur knapp vier Stunden im Sattel sitzen. Prostatakrebs ist mit 26 Prozent die häufigste Krebsform des Mannes und kann bei frühzeitiger Entdeckung gut behandelt werden. Bundesweit werden laut Robert-Koch-Institut pro Jahr etwa 63 400 Neuerkrankungen festgestellt. Ums Radfahren haben sich schon immer die wildesten Gerüchte gerankt, und Wahres vermischt sich mit Falschem. Ja, Lance Armstrong hatte im Alter von 25 Jahren Hodenkrebs. Und Ivan Basso, der italienische Radrennfahrer, musste 2015 die Tour de France abbrechen, weil bei ihm ein Krebsgeschwür an den Hoden festgestellt wurde. Gleichzeitig widersprechen Beispiele der verbreiteten Befürchtung, dass der ständige mechanische Druck auf die Prostatadrüse extensive Radler unfruchtbar mache, weil er die Durchblutung im Genitalbereich hemme: Radsportlegende Rudi Altig hat drei Kinder, Eddy Merckx zwei, Jan Ullrich vier, Lance Armstrong fünf, und der Tour-de-France-Gewinner von 2013, 2015, 2016 und 2017, Christopher Froome, ist Vater eines zweijährigen Jungen.